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Home/Newscenter/Eine Legende geht in den Ruhestand: Svetislav Pesic hört nach dem Saisonende auf

Kochs NachschlagEine Legende geht in den Ruhestand: Svetislav Pesic hört nach dem Saisonende auf

02. April 2026
Svetislav Pesic hört nach der Saison auf, als Headcoach zu arbeiten. Aus diesem Anlass schauen wir zurück auf seine Erfolge, seine Bedeutung für den deutschen Basketball und wie er sich persönlich über die Jahrzehnte verändert hat.

Svetislav Pesic hört nach der Saison auf, als Headcoach zu arbeiten. Aus diesem Anlass schauen wir zurück auf seine Erfolge, seine Bedeutung für den deutschen Basketball und wie er sich persönlich über die Jahrzehnte verändert hat.

Svetislav Pesic liebt und lebt Basketball wie kein Zweiter. Jetzt hat er in diesem Interview mit „DIE ZEIT“ seinen definitiven Rücktritt vom Trainerdasein nach dem Ende dieser Saison verkündet. Im Alter von 76 Jahren steht der Serbe immer noch für sein Herzensprojekt FC Bayern München Basketball an der Seitenlinie, was nicht nur die Hingabe für „sein Spiel“ unterstreicht, sondern auch die bemerkenswerte mentale und physische Fitness des Erfolgstrainers. Es gibt Zweifler, die nicht so recht glauben können, dass im Sommer wirklich Schluss sein wird. Ich gehöre nicht dazu und beziehe mich auf eine Aussage, die er – zugegeben in einem anderen Zusammenhang – im ZEIT-Gespräch getroffen hat: „Wenn ich an etwas glaube, gibt es keine Kompromisse.“

Die größten Erfolge

Als Svetislav Pesic 1987 nach Deutschland kam, war er gerade mit der Juniorennationalmannschaft Jugoslawiens Weltmeister geworden, nachdem er sensationell die USA zwei Mal im Turnier (unter anderem im Finale) besiegt hatte. In Toni Kukoc, Dino Radja und Vlade Divac standen drei zukünftige NBA-Stars im Team. Wer einen Eindruck gewinnen möchte, wie die Vorbereitung auf dieses Turnier ablief, dem sei der Film „250 steps“ empfohlen.

In Deutschland hatte der Basketball bei Weitem nicht den Stellenwert wie in Pesic‘ Heimat. Es gehörte zu seinen Aufgaben, die deutschen Spieler davon zu überzeugen, zur DBB-Auswahl zu kommen. Dennoch verriet er nie seine Prinzipien. So soll er Kai Nürnberger vor den kontinentalen Titelkämpfen 1993 eine Gewichtsgrenze gesetzt haben, die der Spielmacher einhalten musste, um dabei zu sein. Der Titelgewinn durch den Korb von Christian Welp gilt bis heute als eine der größten Sensationen im europäischen Basketball (empfohlen sei an dieser Stelle die großartige BR-Doku "das deutsche Basketball-Traum-Team von 1993" von Andi Egertz).

Danach zog er weiter nach Berlin und hatte erheblichen Anteil daran, dass die Hauptstädter zum nationalen Aushängeschild wurden. Vor der ersten Deutschen Meisterschaft 1997 gewann Pesic mit den Albatrossen 1995 den Korac-Cup (Video ganz unten: Der Höhenflug der Albatrosse).

Der Titelhamster wurde 2001 mit Jugoslawien Europa- und 2002 Weltmeister. Im Jahr darauf gewann er mit dem FC Barcelona das Triple inklusive der EuroLeague. 2014 feierte der FC Bayern München mit ihm als Trainer die erste Deutsche Meisterschaft der „Neuzeit“.

2014: Die Bayern gewinnen unter Svetislav Pesic ihre erste Meisterschaft der "Neuzeit" (Foto: Camera 4).

2023 stand „der Alte“, wie ihn seine Spieler schon sehr lange respektvoll und nicht despektierlich nennen, mit Serbien im WM-Finale gegen Deutschland. 2024 schrammte er mit Nikola Jokic und Co. nur hauchdünn am Olympiagold vorbei, als man in einem epischen Halbfinale den USA mit Steph Curry, Kevin Durant und LeBron James knapp unterlegen war.

Die Bedeutung für den deutschen Basketball

Svetislav Pesic hat den deutschen Basketball professionalisiert. Er etablierte Arbeitsumfänge und eine Arbeitsintensität, die vorher hierzulande undenkbar gewesen waren. Ich erinnere mich an ein Gespräch von Svetislav mit Patrick Femerling im VIP-Raum in Berlin, bei dem ich mit am Tisch saß. Die Saison war erfolgreich zu Ende gegangen, aber der Coach gab seinem Spieler schon eine ganze Liste von Dingen mit auf den Weg, an denen er arbeiten sollte.

Daneben brachte er auch taktisch neue Gedanken nach Deutschland. Seine Berliner übten in der Verteidigung einen extremen Druck am Ball aus und überspielten konsequent alle Passwege, indem sie selbst gegen gute Schützen über alle indirekten Blocks gingen und im Low Post viel von vorne verteidigten. Auf dieser Basis gelangen Ballgewinne, die dann in Fastbreak-Punkte umgemünzt wurden.

Svetislav Pesic im Jahr 1992. (Foto: DBB)

Die Fähigkeit zur Anpassung

Weil dieses Grundgerüst immer stand, musste sich Svetislav Pesic nie neu erfinden. Aber er war klug genug, trotzdem Anpassungen vorzunehmen. Er stagnierte nicht und war immer bereit, sein Repertoire zu erweitern. So besuchte er Vlade Divac und Peja Stojakovic während ihrer Zeit bei den Sacramento Kings, was dazu führte, dass er neue Ideen in seine Halbfeldoffensive integrierte, die vor allem beim EM-Sieg 2001 flüssig, variantenreich und perfekt getimt wirkte.

Als ich während seiner Zeit in Barcelona bei ihm hospitierte, fiel mir auf, wie er die Belastungssteuerung der Spieler angepasst hatte. Dejan Bodiroga, der in den Spielen mehr leisten musste als seine Teamkollegen, bekam im Training mehr Pausen. Wenn ich sehe, welche offensiven Freiheiten Andi Obst heute unter ihm genießt, kann ich mir nicht vorstellen, dass Svetislav sie ihm in dieser Form auch schon vor 30 Jahren gewährt hätte.

Die Anekdoten

Jeder, der mit ihm in Kontakt war, kann irgendeine Anekdote erzählen (wie sie auch hier im Portrait zu seinem 75. Geburtstag erzählt wurden). 1999 und 2000 spielte ich im Pokalfinale gegen ihn. Nachdem er 1999 gewonnen hatte, war ich im darauffolgenden Jahr erfolgreich. Bei seinem Sieg kam er zu spät zur Pressekonferenz, bei meinem war ich unpünktlich, sodass er mich mit den Worten empfing: „Stefan, feiern kannst Du später. Wir müssen jetzt nach Hause!“ Als wir 2013 vor einer Bundesligapartie den Shootaround beendet hatten, kam er für seine Einheit mit den Bayern in die Halle. Ich gratulierte ihm zu seiner Vertragsverlängerung, die gerade veröffentlicht worden war. Er antwortete mir in seiner trockenen Art: „Du musst nicht mir gratulieren, sondern dem Verein. Er behält einen guten Trainer.“ Bei einer Scrimmage zwischen seiner jugoslawischen und der deutschen Nationalmannschaft in Rotenburg kam es direkt vor dem Sprungball zwischen Predrag Drobnjak und Patrick Femerling zu einer kleinen „Meinungsverschiedenheit“. Pesic wechselte seinen Center noch vor dem Spielstart aus und ließ ihn 40 Minuten auf der Bank schmoren.

Kochs Nachschlag

Im Sommer wird eine bemerkenswerte Karriere zu Ende gehen. Svetislav Pesic hat große Erfolge gefeiert, den Basketball geprägt und weiterentwickelt. Er ist einer der besten und einflussreichsten Trainer in der Geschichte des Basketballs. Zum krönenden Abschluss könnte er mit den Bayern noch seine sechste Deutsche Meisterschaft gewinnen. Aber auch wenn dies nicht gelingen sollte, geht er mit Legendenstatus in den Ruhestand. Er wird den Basketball weiterverfolgen, analysieren und bewerten.

Lieber Svetislav, ich wünsche Dir alles Gute für die kommende Zeit! Genieß dein Leben und bleibe trotzdem ein aufmerksamer Kritiker unseres Sports. So ein kleines Türchen hast Du Dir aber doch offengehalten. Als Du nach dem Heimsieg am Mittwoch gegen Fenerbahce Istanbul darauf angesprochen wurdest, dass es dein letztes EuroLeague-Heimspiel gewesen sei, sagtest Du lächelnd: „Who knows?“

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".